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 Desensibilisierung - Hyposensibilisierung:

Noch heute findet man häufig den Begriff "Desensibilisierung" für eine immunologische Methode, mit der die überschießende entzündliche Reaktivität eines Patienten gegenüber einem bestimmten Reiz (z.B. Pollen oder bestimmte Nahrungsstoffe) zu einer normalen Reaktionslage zurückgebracht werden kann. Der Begriff ist leider falsch, weil nach ihm, würde man ihn "wörtlich" nehmen, die Sensibilität des Menschen auf bestimmte Reize völlig entfernt würde. Und das will man sicher nicht.

Der heute immer mehr und korrekt verwendete Begriff "Hyposensibilisierung" trifft das Ziel der immunologischen Therapiemethode besser. Die überschießende Sensibilität (Hypersensibilität) gegenüber bestimmten Reizstoffen (Allergenen) wird heruntermoduliert (Hyposensibilisierung).


 Immuntherapie:

Prinzipiell gibt es 2 Möglichkeiten der immunologischen hyposensibilisierenden Therapie:

1. Spezifische Immuntherapie (SIT):

Das Immunsystem wird auf das Allergen "trainiert" und gewöhnt sich daran, dadurch werden die Reize der allergenen Stoffe gelassener verarbeitet und die entzündlichen Reaktionen des Immunsystems des Patienten fallen milder aus. Bei genügend langem und ausreichend effektivem Training gelingt es vielleicht sogar, daß das Immunsystem den Reizstoff (das Allergen) völlig akzeptiert und seine Reaktionen normal werden, wie bei Menschen ohne Allergie.

Das Immunsystem kann aber nur auf bestimmte Mindestmengen eines Reizstoffes reagieren, das Training erfordert also eine Mindestanforderung, sonst gibt es keinen Trainingseffekt. Außerdem sind die Reizstoffe (Allergene) für das menschliche Immunsystem Fremdstoffe, gegen die das Immunsystem natürlicherweise, besonders bei häufiger Konfrontation mit dem Fremdstoff, mit Abwehrrektionen reagieren muß. Diese Reaktionen fallen besonders heftig aus, wenn der Fremdstoff nicht auf natürlichem Wege (Nasenschleimhaut, Mund-Rachen-Darm-Trakt) mit dem Körper in Kontakt kommt, sondern injiziert wird.

Das Immunsystem ist hoch spezifisch. Es unterscheidet die kleinsten Unterschiede eines Antigens. Ein Pollenkorn ist aus der Sicht des Immunsystems ein hochkomplexer Stoff mit hunderten verschiedener antigener Stellen (Haptene), die alle einzeln und spezifisch Reaktionen des Immunsystems induzieren. Das Training des Immunsystems des Patienten durch die hyposensibilisierende Therapie muß alle einzelnen Haptene erfassen. Daher versucht man heute in der Forschung die wichtigsten Haptene zu finden, zu charakterisieren und nachzubauen, damit mit ihnen allein eine wirksamere und ungefährlichere spezifische Immuntherapie des Allergikers möglich wird.

Mit der spezifischen Immuntherapie will der Arzt eine Hyposensibilisierung mit Allergenen beim allergischen Patienten erreichen. Hierzu werden die artfremden Stoffe, die Allergene, die der Arzt vorher als Verursacher der überschießenden Reaktionen des allergischen Patienten durch umfangreiche Diagnostik identifiziert hat, in aufsteigenden Mengen unter die Haut des Patienten injiziert. Hierbei gibt es einige immunologische Probleme:

a) Die Menge des Allergens, das immunologisch als Antigen wirkt, muß gleich zu Beginn der Therapie so hoch sein, daß es die Toleranzschwelle des Immunsystems übersteigt. Liegt seine Menge darunter, gibt es keinen Trainingseffekt. Seine Menge darf aber besonders bei wiederholter Injektion auch nicht zu hoch sein, weil dann die Reaktion des Immunsystems auf das Fremdantigen so stark werden kann, daß die Folgereaktionen aus der Abwehrreaktion den Patienten stark gefährden können (anaphylaktische Reaktion). Das ist der Grund, warum der Arzt für diese Therapieform besonders geschult und erfahren sein muß.

b) Das Immunsystem kann nicht grenzenlos gegen alle Antigene gleichzeitig trainiert werden. Je mehr Allergene in einer therapeutischen Formulierung gemischt sind, um so mehr Antigene werden dem Immunsystem angeboten. Die Menge des einzelnen Antigens muß eine bestimmte Mindestmenge für den Trainingseffekt überschreiten, sonst ist es wirkungslos. Daher sind Mischungen aus zahlreichen Allergenen, mit denen Patienten behandelt werden sollen, die gegenüber vielen verschiedenen Stoffen allergisch sind, zur erfolgreichen spezifischen Immuntherapie ungeeignet. Das Immunsystem wird gegen zahlreiche Haptene einer solchen Antigen(Allergen)mischung nicht reagieren, weil einzelne Haptene nicht in genügend großer Menge vorhanden sind. Wenn aber der Arzt trotzdem zur Steigerung der immunologischen Wirksamkeit die Menge der Allergene zu schnell erhöht, kann das Immunsystem bevorzugt gegen die "artfremden" Bestandteile der Mischung reagieren und den Patienten gefährden.

c) Die Ursachen überschießender Reaktionen des Allergikers können heute noch nicht konkret und substantiell identifiziert werden. Als Ursachen eines Heuschnupfens sind schon lange Pollen von verschiedenen Pflanzen, Stäube von Insektenkot oder Sporen von Pilzen bekannt. Einige Nahrungsstoffe oder chemische Stoffe kennt man auch inzwischen, die allergische Reaktionen bei besonders empfindlichen Patienten auslösen. Doch wie steht es mit den Erkenntnissen zur stofflichen Ursache von Photoallergien (Sonnenallergie) oder anderen allergisch bedingten Hautekzemen (z.B. Kälteallergie) oder Urtikaria oder Neurodermitis? Bei all diesen allergisch überschießenden Reaktionen des Patienten ist ein Training seines Immunsystems durch die spezifische Immuntherapie mangels eines geeigneten Stoffes nicht möglich.


2. Unspezifische Immuntherapie (UIT):

a) Manager der Entzündungsreaktion:
Das Training der spezifischen Immuntherapie bewirkt eine Änderung der Reaktionen bestimmter Zellen des Immunsystems. Diese Zellen sind vergleichbar mit "Managern" eines Unternehmens, weil sie die Art der immunologischen Reaktionen in unserem Körper bestimmen. Sie teilen anderen sehr spezialisierten Zellen des Immunsystems durch entsprechende Informationen (sogenannte Zellbotenstoffe oder Zytokine) mit, daß und was sie tun sollen. Zwei wichtige Manager für die Immuntherapie heißen Lymphozyt Th1 (kurz: Th1) und Lymphozyt Th2 (kurz: Th2).

Beide Manager haben idealerweise ähnliche und ausgewogene Aufgaben im immunologischen Unternehmen. Bei Allergikern hat aber der Manager Th2 ein Übergewicht gegenüber dem Manager Th1 gewonnen. Dieses Übergewicht von Th2 bewirkt zu starke entzündliche Reaktionen auf allergene Reize. Th2 schickt nämlich zu viele "Memos" ab.

Diese Memos oder Zytokine der Th2 regen andere Zellen (z. B. Plasmazellen - B-Lymphozyten) zu stärkerer Bildung von "Reaginen" an, das sind immunologische Stoffe (Immunglobuline der Klasse E, IgE), die für die direkte Verknüpfung von Allergenen oder Antigenen mit anderen Zellen, den Mastzellen und Basophilen Granulozyten, verantwortlich sind. Wenn Allergene aber an Reaginen andocken, werden aus den Mastzellen und Basophilen Granulozyten kleine Bläschen (Vesikel) freigesetzt, die Stoffe enthalten, die sehr schnell und kurzfristig Entzündungen im Körper verursachen. Einer der wichtigsten dieser Stoffe ist das Histamin, das normalerweise in den Zellen verpackt bleibt. Wird es aber im Körper in ungewöhnlich erhöhter Menge frei, bewirkt es die bekannten Allergischen Symptome.

Eine andere Information, die die Th2 Manager bei Allergikern in erhöhter Häufigkeit abschicken und verteilen, regt andere Zellen, die Eosinophilen Granulozyten, zu einer Reaktion auf, die zwar langsam und erst langfristig aber verheerende Wirkung haben kann. Sie ballen sich nämlich besonders an Stellen zusammen, wo das Allergen natürlicherweise abgelagert wird, in Schleimhäuten und Lungengewebe. Dort setzen sie Stoffe frei, die das umliegende körpereigene Gewebe schädigen. Diese langfristigen gewebeschädigenden Auswirkungen der Th2 Memos sind verantwortlich für die Ausbildung des allergischen Asthmas (Etagenwechsel).

b) Training der Manager
Wenn der Manager Th2 in seiner überschießenden Wirkung reduziert werden kann und er die Menge seiner Memos reduziert, kann die Freisetzung von entzündungsinduzierenden Stoffen ebenfalls reduziert werden. Das Training des Immunsystems mit Hilfe der SIT hat genau diese Reduktion der Aktivität des Managers Th2 zum Ziel. Das Ziel wird auch erreicht, aber nur für die einzelnen Allergene, mit denen das Training erfolgreich durchgeführt wird. Für alle anderen Stoffe oder Reize, mit denen nicht trainiert wird, weil man sie nicht kennt oder weil sie stofflich nicht in das Trainingsprogramm einbezogen werden können, ist die SIT natürlich erfolglos. Die Th2 Manager werden auf Anreiz dieser Stoffe oder Reize weiterhin übermäßig viele Memos abschicken.

c) Die "ideale" Immuntherapie
Ideal wäre also eine immunologisch wirksame Therapie, mit der unabhängig von einem spezifischen Allergen oder Antigen, also unspezifisch, die Th2 Manager in ihrer überschießenden Ausschüttung von Memos reduziert werden könnten. Mit einer solchen Dämpfung der Th2 Aktivitäten würden sowohl kurzfristig die verstärkte Bildung der Reagine als auch langfristig die erhöhte allergenabhängige Zusammenballung und Freisetzung gewebszerstörender Stoffe aus Eosinophilen Granulozyten bei Allergikern erniedrigt. Hierbei würde es sich nicht um ein allergenspezifisches Training des Immunsystems des Patienten handeln sondern um eine unspezifische, direkte, hemmende und modulierende Beeinflussung der Th2 Manager, vergleichbar mit einer Anweisung der Betriebsleitung.

d) Entwicklung der unspezifischen Immuntherapie
Diesen Weg der unspezifischen Therapie überschießender Reaktionen bei Allergikern versucht man in den letzten Jahren neu zu entwickeln. Doch diese unspezifische Immuntherapie (UIT) gibt es schon lange (seit Mitte der 60er Jahre), man hat allerdings erst in den vergangenen Jahren aufgrund der neuen Erkenntnisse der Immunologie erkannt, daß eine "alte" Therapie genau das Ideal einer solchen unspezifischen Immuntherapie bewirkt.

Vor mehr als 50 Jahren wurde zunächst in den USA und dann in Frankreich durch intelligente Beobachtungen und Experimente ein Wirkkomplex aus natürlichen, im Körper vorhandenen, Stoffen entdeckt, der zwar zur Therapie von Allergien wirksam war, wie in zahlreichen auch kontrollierten klinischen Prüfungen bewiesen werden konnte, von dem man aufgrund der damaligen Kenntnisse der immunologischen Abläufe aber keine grundlegende kausale therapeutische Wirkung auf das Immunsystem des Patienten annehmen konnte.

Erst in den letzten 5 bis 10 Jahren haben insbesondere japanische und russische Wissenschaftler erforscht, daß dieser Komplex aus menschlichem Immunglobulin und Histamindihydrochlorid in einer ganz bestimmten Zusammensetzung, und nur in dieser, dämpfende Wirkungen auf die Th2 Manager des Immunsystems haben. Der Wirkkomplex bewirkt völlig unabhängig von irgendwelchen spezifischen Antigenen oder Allergenen eine Reduktion der Produktion von Reaginen und eine verringerte allergenabhängige Zusammenballung der Eosinophilen Granulozyten. Die Einzelkomponenten des Komplexes haben sich in allen bisherigen Experimenten und klinischen Studien als wirkungslos erwiesen.

e) Unspezifische Hemmung von Entzündungen
Die unspezifische immuntherapeutische Wirkung des Wirkkomplexes aus menschlichem Immunglobulin und Histamindihydrochlorid geht aber noch über die Allergie hinaus. Die krankmachenden Abläufe bei Allergien basieren auf Entzündungsprozessen. Entzündungen sind aber nicht nur für allergische Erkrankungen verantwortlich sondern auch für alle anderen Erkrankungen, bei denen aus unterschiedlichen Gründen das körpereigene Immunsystem überschießend reagiert. Diese Erkrankungen faßt man mit der Bezeichnung "autoimmune Erkrankungen" oder "autoimmune Agressionserkrankungen" zusammen.

Zu den autoimmunen Agressionserkrankungen, die durch übermäßige immunologische Reaktionen auf sehr unterschiedliche und meist noch unbekannte Reize und durch überstarke Auswirkungen des patienteneigenen Immunsystems verursacht werden, gehören neben den Allergien z.B. Neurodermitis, Urtikaria, Diabetes Typ I, rheumatoide Entzündungen, Arthritis, Akne, Hashimoto's Thyroiditis, chronisch aggressive Hepatitis, Multiple Sklerose und andere. Vor der therapeutische Erprobung des Wirkkomplexes bei diesen Erkrankungen sind langjährige Experimente an Tieren erforderlich. Japanische Wissenschaftler haben diese Experimente über rund zehn Jahre durchgeführt, bis sie zu dem Ergebnis kamen, daß der Wirkkomplex als Entzündungshemmer bei der Multiplen Sklerose klinisch erprobt werden kann. Diese klinischen Studien, die langwierig und teuer sind, wurden begonnen aber leider aus Mangel an Patienten und Kostengründen abgebrochen.

(Zusammenfassung von Untersuchungsergebnissen aus den Jahren 1940 bis 1998 durch Dr. W. Loh. Die Literaturbelege dieser Zusammenfassung sind beim Autor abrufbar: wfwloh@t-online.de)

 

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